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Früher kamen die Leute zu Andreas Dawo, um einen Kredit zu bekommen. Heute kommen sie oft zu ihm, um die Belastungen eines
Kredits wieder loszuwerden. Andreas Dawo, früher mal Regionaldirektor der Sparkasse Westmünsterland in Vreden, ist seit knapp
drei Jahren Insolvenz- und Schuldnerberater beim Caritasverband für die Dekanate Ahaus und Vreden sowie Borken.
Seine Bilanz fürs abgelaufene Jahr: Erfreulicherweise, so Dawo, kämen die Menschen mit Schulden früher als sonst, was die
Entschuldung vereinfache. Was ihm Sorgen macht: Die Zahl derjenigen, die trotz eines Erwerbseinkommens in Schulden geraten,
nehme zu. Auch die Zahl der Immobilienbesitzer unter seinen Klienten sei gestiegen. 700 komplette Schuldnerberatungen - davon
300 inklusive Insolvenzanträgen sowie mehr als 400 Kurzberatungen - weist die Bilanz von Dawo und seinen Kollegen aus. Das
ist in etwa so viel wie im Jahr zuvor.
Der Hauptanteil derjenigen, die den Weg zur Beratung finden, sei zwischen 30 und 50 Jahre alt, hat der 48-Jährige in seiner
Jahresbilanz 2009 ermittelt. Unter 20 Jahre alt waren beispielsweise nur 18 Klienten. Männer waren leicht in der Überzahl,
viele seien früher selbstständig gewesen, "Typ Einzelkämpfer", so Dawo. Rund 100 seiner Klienten hatten Schulden von bis zu
10.000 Euro, 240 zwischen 10.000 und 50.000 Euro und 120 Männer und Frauen von 50.000 Euro und mehr. "Die meisten hatten weniger
als zehn Gläubiger", vervollständigt der Finanzfachmann die Bilanz.
Bei den Jugendlichen seien die klassischen Schulden immer noch die, die durch Handyverträge zu Stande kämen. Sie sähen oft
nicht, dass sich geringe Monatsbeträge und lange Laufzeiten schnell zu Beträgen von tausend Euro und mehr addierten - und
man schneller als gedacht in der Schuldenfalle stecke.
Woran es liege, dass die Menschen mit ihren Probleme eher als früher zur Beratung kämen? Eine Rolle spiele da sicher, dass
Fernseh-Figuren wie Peter Zwegat dafür sorgten, dass Hemmschwellen fielen. Positiv sei aber auch, dass beispielsweise Unternehmen
schneller reagierten, wenn ein Mitarbeiter von der Lohnpfändung betroffen sei. "Da kommt dann schon mal der Personalchef mit
zur Beratung", hat Dawo erfahren. Als positiv stellt er auch heraus, dass die Wartezeiten bei seiner Einrichtung kurz seien:
Binnen zwei bis vier Wochen nach Anmeldung bekomme man in der Regel einen Termin. Bundesweit müsse man oft drei bis neun Monate
Wartezeit einplanen.
Sollte die Wirtschaftsflaute länger andauern, so fürchtet der Insolvenz- und Schuldnerberater, dass die Zahl der Klienten
weiter steigt. Schon jetzt sorge etwa die Kurzarbeit dafür, dass Reserven angeknabbert werden müssten. "100 oder 200 Euro
weniger im Monat schlagen bei vielen durch", sagt Dawo. Er empfiehlt allen Verbrauchern grundsätzlich, ihre Ausgaben mal mit
einem Haushaltsbuch zu überprüfen und bei Krediten, etwa beim Hausbau, den finanziellen Rahmen nicht bis auf den letzten Euro
auszureizen. Auch könne man ja mal für den neuen Fernseher sparen, statt ihn auf Pump zu kaufen.
Früchte trägt nach Angaben von Dawo die Arbeit von Kreis und Kommunen, die sich gemeinsam mit den Schuldnerberatern darum
kümmern, dass Hartz-IV-Bezieher aus der Schuldenfalle rauskommen. "Einmal geregelte Fälle haben in den allerwenigsten Fällen
später wieder Beratungsbedarf", sagt er.
Als zunehmend problematisch erweise sich hingegen die finanzielle Förderung, insbesondere der Insolvenzberatung durch das
Land NRW. Trotz steigender Fallzahlen bezahle das Land seit zehn Jahren stets einen Festbetrag - ohne Kostenanpassung. Würden
die Fördermittel nicht erhöht, werde man die Insolvenzberatung nicht im gewohnten Umfang aufrecht erhalten können oder werde
die Klienten zur Kasse bitten müssen.
Weitere Infos unter www.dcv.de und www.caritas.de. Dort gibt es auch die Möglichkeit einer kurzen Onlineberatung.
(Quelle: MünsterlandZeitung)
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