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Stand: 12.11.2015

Integration und Migration

Caritas-Flüchtlingshilfe Libanon zu Gast in Ahaus

Ein intensiver Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Arbeit mit geflüchteten Menschen brachte Erkenntnisse, von denen beide Seiten für ihre Arbeit profitieren können.

Libanon

Der Familiennachzug sei nicht nur eine zutiefst humanitäre Forderung, sondern auch eine ganz wesentliche Voraussetzung, um Integration gelingen zu lassen, war im Auftaktgespräch mit Mitarbeitern des Integrationslotsenprojektes des Caritasverbandes Ahaus einhellige Auffassung aller Beteiligten. Die politische Diskussion greife hier häufig zu kurz, indem teilweise populistische Kriterien zu sehr in den Vordergrund gerieten. Beim Austausch über Strukturen, Aufgaben und Schwierigkeiten in der Flüchtlingshilfe im Libanon und Deutschland - anders als in Deutschland gebe es im Libanon keine staatliche Unterstützung für die Flüchtlingshilfe. Daher sei die Caritas-Flüchtlingshilfe aus dem Libanon sehr dankbar für die unterschiedlichen Hilfen von Caritas International, von der Caritas in Deutschland, aber auch beispielsweise aus Spanien, Italien und England. So gebe es finanzielle Hilfen, aber auch Unterstützung im Bereich der psychosozialen Versorgung und Gesundheitsfürsorge. Parallelen zeigten sich bei der Beschaffung von Dokumenten zum Nachweis der Identität und dem Familienstand der geflüchteten Menschen. Ursache für mehrere Identitäten lägen häufig nicht in der Verschleierung der wahren Identität, sondern beruhen zumeist in unterschiedlichen Schreibweisen.

Die Delegation wurde, begleitet durch Caritas Vorstand Hans-Peter Merzbach und Geschäftsbereichsleiter Peter Schwack, im Ahauser Rathaus durch Bürgermeisterin Karola Voss, den Beigeordneten Werner Leuker und den Leiter des Fachbereichs Soziales, Michael Bethmann empfangen. Die Flüchtlingssituation in Ahaus, Fragen zur Integration, insbesondere auch auf dem Arbeitsmarkt und zur Willkommenskultur mit einem enormen ehrenamtlichen Engagement standen im Vordergrund des Gespräches. Sowohl von Seiten der Stadt Ahaus als auch des Caritasverbandes wurde die hervorragende Zusammenarbeit bei dieser Arbeit hervorgehoben.

Libanon

Am Nachmittag gab es ein Gespräch mit den vielfältigen Diensten und Angeboten des Caritas-Fachdienstes für Integration und Migration. Besonderes Interesse fanden dabei die Angebote des Hauses der Integration und der aufsuchenden Sozialarbeit. Auch wenn sich die Situation in Deutschland und Libanon natürlich nicht 1 : 1 vergleichen ließe, stellte Stefan Teplan von Caritas International zur bundesdeutschen Diskussion über Obergrenzen fest :"Wenn in Deutschland das Verhältnis der Bevölkerung zu den Geflüchteten so wäre wie im Libanon (jeder vierte Mensch ist geflüchtet), dann hätten wir 20 Millionen Geflüchtete in Deutschland."

Die Besichtigung der Fairwert-Bar und des Wohnraums für geflüchtete Menschen stand ebenso auf dem Programm wie ein Besuch in der Drehscheibe, in der spürbar wurde, dass mit viel Herzblut und ehrenamtlichen Engagement und sehr unbürokratisch geholfen werde. Bei einem Gespräch im Unbrexit ging es mit Vertretern der Firma Tobit Software und Geflüchteten, die hier eine Ausbildungsstelle gefunden haben, um die Chancen für Betriebe und Geflüchtete auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Caritas-Vorstandssprecher Bernhard Herdering nutzte an dieser Stelle die Gelegenheit, die Delegation zu begrüßen und ihr für ihr hohes Engagement für die Menschen auf der Flucht zu danken.

Zum Abschluss des Besuches der Delegation von Caritas International und der Caritas Flüchtlingshilfe aus dem Libanon stand im ein außerordentlicher Drum-Circle, zu dem Nikolas Geschwill und über 40 Menschen aus vielen Nationen am Abend in das Café Fair kamen. Hier war spürbar, Dieter Homann vom Caritas-Fachdienst für Integration und Migration,  mit wie viel Selbstverständlichkeit in Ahaus Integration und Gemeinsamkeit gelebt wird, wie alltäglich das Miteinander stattfindet, wie sehr die neuen Mitbürger und ihre Kultur als Bereicherung wertgeschätzt werden.