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Die Wohngemeinschaft Haus Oldenkott in Vreden:Gemeinsam statt allein

Wie möchte man im Alter wohnen? Möglichst selbstständig, gut begleitet und in einer Umgebung, die sich vertraut anfühlt. Genau hier setzt die Wohngemeinschaft Haus Oldenkott an der Oldenkotter Straße 72 in Vreden an. Das Angebot des Caritasverbandes Ahaus-Vreden richtet sich an ältere Menschen, die nicht allein leben möchten, aber Wert auf Eigenständigkeit und Gemeinschaft legen – und an Angehörige, die eine verlässliche und zugleich persönliche Wohnform suchen.
Haus Oldenkott: Gemeinsame Kaffeezeit, WG-Koordinatorin Andrea Welper (2.v.r.) mit den WGlern.
Datum:
23. Jan. 2026
Von:
Christian Bödding
Vermieter Hubert Beuting vor dem Eingang zur WG an der Oldenkotter Straße 72.

„Das komplette Erdgeschoss gehört zur Wohngemeinschaft“, erklärt Vermieter Hubert Beuting, dem das Gebäude gehört. Darüber liegen Mietwohnungen. Seit nunmehr zehn Jahren – das Jubiläum wurde im November 2025 gefeiert – bietet Haus Oldenkott älteren Menschen ein Zuhause. „Wir haben damals ganz klein angefangen, tatsächlich erst mit einer Person“, erinnert sich Beuting. Heute ist daraus eine stabile, gewachsene Gemeinschaft geworden.

Was Haus Oldenkott ausmacht? „Ganz wichtig ist: Es ist eine selbstbestimmte Wohngemeinschaft“, betont Beuting. Er stellt das Gebäude zur Verfügung, die Caritas ist Leistungserbringer. Andrea Welper, Koordinatorin der Wohngemeinschaft, erläutert das Konzept: „Die Bewohner mieten hier ihre Zimmer selbst und gestalten die WG gemeinsam – mit uns als Caritas.“ Die Betreuung ist rund um die Uhr gesichert. Betreuungskräfte des Caritasverbandes Ahaus-Vreden sind 24 Stunden am Tag vor Ort. Wenn pflegerische Leistungen notwendig werden, kommt zusätzlich die Ambulante Pflege der Caritas ins Haus. Aktuell leben sieben Menschen – fünf Frauen und zwei Männer – in der WG, möglich wären insgesamt zehn. Es gibt zehn Einzelzimmer, sechs davon mit eigenem Bad, je zwei Zimmer teilen sich ein Badezimmer. Leerstand über einen längeren Zeitraum gibt es kaum: „Das Interesse ist da“, sagt Welper.

Doch was unterscheidet Haus Oldenkott von anderen Angeboten? Ist es eine Tagespflege? Eine Kurzzeitpflege? Oder doch ein Altenheim? „Genau diese Fragen hören wir oft“, berichtet Andrea Welper. „Viele wissen gar nicht, was sich hinter dem Namen verbirgt.“ Ihr ist wichtig klarzustellen: „Wir sind mehr als betreutes Wohnen, aber kein Altenheim.“ Die Bewohner wohnen hier dauerhaft. Sie können ohne Pflege einziehen und bei Bedarf Leistungen flexibel dazubuchen. „Wir bieten ähnliche Leistungen wie ein Altenheim, aber alles bleibt selbstbestimmt – und das ist der entscheidende Unterschied.“

Ebenso wichtig: Haus Oldenkott ist keine reine Demenz-WG. Menschen mit starker demenzieller Veränderung finden hier nicht den passenden Rahmen – nicht aus Ausgrenzung, sondern aus Verantwortung gegenüber allen Beteiligten und der bestehenden Gemeinschaft. Andrea Welper: „Sollte sich im Laufe der Zeit eine demenzielle Erkrankung entwickeln, begleiten wir diesen Weg mit Achtsamkeit und prüfen gemeinsam, was dem betroffenen Menschen weiterhin guttut.“

Das Herzstück der Wohngemeinschaft ist das Miteinander. „Letztlich entscheiden die Bewohner selbst“, sagt Andrea Welper. Wer einziehen möchte, lernt die Gemeinschaft zunächst bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken kennen. Erst danach fällt die Entscheidung. „Die Bewohner haben hier wirklich Mitspracherecht. Das ist ein großer Unterschied zum klassischen Heim, wo man ein freies Zimmer bekommt und sich anpassen muss.“ Und dieses Mitbestimmen zeigt sich im Alltag. Es wird frisch gekocht, gemeinsam geplant, diskutiert und entschieden. Was kommt auf den Tisch? Wird eine neue Waschmaschine angeschafft? All das besprechen die Bewohner miteinander. Wer möchte, hilft freiwillig mit – beim Kartoffelschälen, Gemüseputzen oder Tischdecken. „Das gibt vielen das Gefühl von früher, von Zuhause“, erzählt Welper. „Und Beschäftigung tut gut.“

Die Atmosphäre erinnert an eine Großfamilie. Morgens sitzen oft dieselben Bewohner zusammen und lesen gemeinsam die Zeitung. Danach geht es hinaus auf die Terrasse, die je nach Tageszeit Sonne oder Schatten bietet. Drinnen wird gepuzzelt, nachmittags gemeinsam Kaffee getrunken, abends ferngesehen. Zwei Bewohner sind mit dem Scooter unterwegs, einer fährt noch Fahrrad. Andere gehen mit dem Rollator in die Stadt. „Wir sind hier sehr innenstadtnah“, sagt Hubert Beuting. „In Vreden liegt alles dicht beieinander.“

Wer kann hier eigentlich einziehen? Sind es ausschließlich Vredenerinnen und Vredener? „Nein, nicht unbedingt“, erklärt Hubert Beuting. „Viele Kinder sind im Laufe der Jahre weggezogen, leben heute zum Beispiel in Ahaus oder Stadtlohn. Umso wichtiger ist es, dass die Eltern trotzdem in Vreden bleiben können – in ihrer vertrauten Umgebung.“ Genau dafür bietet Haus Oldenkott eine passende Lösung und versteht sich bewusst als regionales Angebot für Menschen aus dem gesamten Umkreis. Dabei gilt: Ein Pflegegrad ist wünschenswert, auch wegen der Finanzierung. Neben der Miete fallen Betreuungskosten an, bei zusätzlichem Pflegebedarf kommen weitere Leistungen hinzu. Angehörige werden bewusst mit einbezogen – etwa bei Einkäufen oder kleinen organisatorischen Aufgaben.

„Ein gewisses Maß an Mitarbeit ist Voraussetzung“, erklärt Welper. Einmal wöchentlich wird gemeinsam bestellt, Angehörige holen den Einkauf ab. So bleiben die Kosten im Rahmen und die Verantwortung verteilt sich auf viele Schultern.
Auch schwierige Situationen gehören zum Alltag. Aktuell lebt eine hochgradig pflegebedürftige Seniorin in der WG. „Da stellen wir uns immer die Frage: Ist das für alle noch tragbar?“, sagt Welper ehrlich. Entscheidungen werden nie allein getroffen, sondern immer im engen Austausch mit Angehörigen und Pflegekräften. Und doch gilt ein wichtiger Grundsatz: „Wir bieten an, dass Menschen hier sterben dürfen. Das können wir als ambulanter Pflegedienst auffangen.“ 

Für Andrea Welper selbst ist Haus Oldenkott mehr als ein Arbeitsplatz. Nach einer Weiterbildung zur Leitungskraft hospitierte sie bewusst in einer Wohngemeinschaft. „Mir war schnell klar, dass die Betreuungskräfte hier viel allein stemmen“, sagt sie. Deshalb ist sie regelmäßig vor Ort – montags und donnerstags zu festen Zeiten. „Diese Präsenz kommt gut an – bei Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden.“ Neun Betreuungskräfte sorgen als Alltagsmanagerinnen und -manager im Früh-, Spät- und Nachtdienst für den Alltag. Viele von ihnen sind schon lange dabei, vertraute Gesichter im Haus.

Ergänzt wird das Angebot durch gemeinsame Aktivitäten: Sportangebote, Adventsnachmittage, Plätzchenbacken, Musikprogramme – sogar ein Männerchor schaut zweimal im Jahr vorbei. Alle acht Wochen findet eine Mieterversammlung mit Angehörigen, einem externen Berater und der Caritas statt. Nichts ist Pflicht, alles ist Angebot. Und doch macht fast jeder mit. Oder, wie Andrea Welper es auf den Punkt bringt: „Das ist hier einfach eine richtig gute Gemeinschaft.“