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Integrationslotsenprojekt: Von der Hindenburgallee 9 an die Hindenburgallee 32:Mehr Platz für Integration

Wer das Integrationslotsenprojekt des Caritasverbandes Ahaus-Vreden besucht hat, kennt die beengten Räume an der Hindenburgallee 9 in Ahaus. Beratung, Sprachmittlung, Ehrenamt und kreative Angebote mussten dort oft auf engstem Raum organisiert werden. Seit Anfang März hat sich das grundlegend geändert: Das gesamte Integrationslotsenprojekt ist in die erste Etage des Hauses der Integration an der Hindenburgallee 32 umgezogen.
Carmen Esposito-Stumberger (r.), Max Wevers und Anna Kupriianova vom Integrationslotsenprojekt freuen sich über mehr Platz für ihre Arbeit.
Datum:
14. Juli 2026
Von:
Christian Bödding

Mit dabei sind sämtliche Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Angebote – vom Brückenprojekt über Sprachförderung bis hin zu Freizeit- und Begegnungsangeboten.

„Uns wurde das Gebäude an der Hindenburgallee über mehrere Jahre von einer Ahauser Familie kostenfrei zur Verfügung gestellt“, berichtet Carmen Esposito-Stumberger vom Caritasverband Ahaus-Vreden. Gleichzeitig habe die Familie frühzeitig signalisiert, dass langfristig eine neue Lösung gefunden werden müsse. Gemeinsam mit Caritas-Vorstand Peter Schwack und der Stadt Ahaus begann deshalb die Suche nach einem geeigneten Standort.

Komplette Etage

Die entscheidende Idee entstand schließlich durch die veränderte Situation in der Flüchtlingsunterbringung. Weil derzeit deutlich weniger Geflüchtete nach Ahaus zugewiesen werden und in den Unterkünften wieder mehr Kapazitäten vorhanden sind, konnte der Caritasverband eine komplette Etage im Haus der Integration übernehmen. Genau dort, wo das Projekt bereits früher einmal untergebracht war. Einige Familien lebten zunächst noch auf der Etage. Da im Gebäude jedoch ausreichend freie Zimmer vorhanden waren, konnten sie innerhalb des Hauses umziehen. So wurden die Räume für das Integrationslotsenprojekt frei.

Der Gewinn ist enorm. „Wir haben jetzt eine komplette Etage nur für uns“, sagt Esposito-Stumberger. „Das ist für unsere tägliche Arbeit ein großer Fortschritt.“ Mehrere Toiletten für Besucherinnen und Besucher sowie Mitarbeitende, großzügige Beratungsräume und vor allem ein großer Gemeinschaftsraum schaffen völlig neue Möglichkeiten. Gerade das Ehrenamt profitiert davon. Während die räumlichen Möglichkeiten zuvor stark eingeschränkt waren, können nun zahlreiche Angebote parallel stattfinden. Tanzgruppen für Kinder, Bastel- und Malangebote, Wasserspiele, Stricktreffs, ein ehrenamtlich geleiteter Schneiderkurs oder Sprachkurse finden hier ihren Platz. Hinzu kommen Nachhilfe und Einzelunterricht für Schülerinnen und Schüler, ein Schachangebot für Kinder und Jugendliche sowie Unterstützung bei der Formularsprechstunde.

Besonders wichtig: Die Ehrenamtlichen können die Räume inzwischen auch unabhängig von den Bürozeiten nutzen. Über ein Schlüsselsystem und einen gemeinsamen Belegungskalender organisieren sie ihre Angebote eigenständig. „Jetzt können auch zwei oder drei Ehrenamtliche gleichzeitig ihre Kurse oder Treffen durchführen. Das wäre vorher gar nicht möglich gewesen“, erklärt Esposito-Stumberger. Die verbesserten Räume erleichtern auch die eigentliche Beratungsarbeit erheblich. Fast alle Mitarbeitenden verfügen inzwischen über ein eigenes Büro, lediglich die Sprachmittler teilen sich einen Raum.

Beratungsbüros 

Vor allem vertrauliche Gespräche profitieren davon. Datenschutz und sensible Themen konnten in den alten Räumen oft nur mit großem organisatorischem Aufwand behandelt werden. Heute stehen geschützte Beratungsbüros zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen separaten Wartebereich, in dem Besucherinnen und Besucher zunächst ankommen können – mit Wasser, Kaffee oder Tee und einer kleinen Auswahl an Süßigkeiten. Auch organisatorisch bringt der Umzug Vorteile. Aus Sicherheitsgründen bleiben die Bürotüren während der Beratungen geöffnet, sodass Kolleginnen und Kollegen jederzeit Unterstützung leisten können. Sprachmittler begleiten bei Bedarf Gespräche direkt in den Büros und erleichtern die Kommunikation.

Das Integrationslotsenprojekt wird von der Stadt Ahaus bis Juni 2027 finanziell gefördert. Wie es personell anschließend weitergeht, ist derzeit noch offen. Aktuell verfügt das Projekt über dreieinhalb Stellen für Sozialarbeiter/Sozialpädagogen sowie eine weitere Vollzeitstelle, die von zwei Sprachmittlern gemeinsam besetzt wird. „Unsere Rolle hat sich verändert“, erklärt Esposito-Stumberger. Ging es früher vor allem um erste Orientierung, etwa bei Behördengängen, Kontoeröffnung, Busverbindungen oder finanziellen Hilfen, stehen heute langfristige Integrationsfragen im Mittelpunkt.

Unterstützung

Die Mitarbeitenden unterstützen Menschen bei der Wohnungssuche, begleiten sie auf dem Weg in Ausbildung und Beruf und helfen Familien dabei, im Alltag anzukommen. Viele Kinder besuchen inzwischen Kindertageseinrichtungen oder Schulen. Gleichzeitig nehmen gesundheitliche und psychische Belastungen deutlich zu. Besonders bei vielen Menschen aus der Ukraine seien die Folgen des lang andauernden Krieges inzwischen spürbar. „Viele sind erschöpft und wissen nicht, wie ihre Zukunft aussieht“, berichtet Esposito-Stumberger. Viele hätten gehofft, bereits nach einem Jahr wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Stattdessen leben sie inzwischen seit mehreren Jahren in Deutschland und stehen vor schwierigen Entscheidungen: dauerhaft bleiben oder irgendwann doch zurückkehren?

Die Beratung richtet sich dabei längst nicht ausschließlich an Geflüchtete. Der Caritasverband unterstützt grundsätzlich Menschen mit Migrationsgeschichte. Dazu gehören auch EU-Bürgerinnen und EU-Bürger oder Zugewanderte aus anderen Ländern. „Gestern hatte ich beispielsweise eine Mutter aus Vietnam in der Beratung“, erzählt Esposito-Stumberger. Insgesamt betreut das Team mittlerweile mehr als 1.000 Klientinnen und Klienten. Die offenen Sprechstunden finden montags bis freitags von 9.15 bis 13 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 16 bis 18 Uhr statt. Darüber hinaus vergibt das Team individuelle Termine und zeigt sich insbesondere gegenüber Berufstätigen flexibel. Mittwochs und donnerstags beraten Mitarbeitende außerdem direkt in den städtischen Unterkünften. „Dort können wir uns gleichzeitig ein Bild von der jeweiligen Situation machen.“

Der Umzug eröffnet aber nicht nur dem Caritas-Team neue Möglichkeiten. Auch engagierte Bürgerinnen und Bürger können die Räume künftig stärker nutzen. Wer eigene Sprachkurse, Bastelangebote, Begegnungsveranstaltungen oder andere Integrationsprojekte anbieten möchte, kann sich an das Integrationslotsenprojekt wenden. Neben regelmäßigen Angeboten sind auch einmalige Veranstaltungen möglich. So trafen sich kürzlich ukrainische Frauen zu einem gemeinsamen Abend im großen Gruppenraum. Auch ein Tanzabend ausschließlich für arabische Frauen fand dort statt.