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Katja Küper leitet seit dem 1. Januar 2026 den Caritas-Tagestreff „Zur Schmiede“ in Schöppingen: Mit der „Tagestruppe“ zu mehr Lebensfreude

Vormittags im Caritas-Tagestreff „Zur Schmiede“ in Schöppingen: es wird gelacht, Spielkarten werden auf den Tisch geklopft, aus der Küche zieht Kaffeeduft herüber. Dazwischen klingelt kurz das Telefon. Mitten im Geschehen: Katja Küper, seit dem 1. Januar neue Leiterin des Tagestreffs.
Katja Küper leitet den Caritas-Tagestreff „Zur Schmiede“ in Schöppingen.
Datum:
2. März 2026
Von:
Christian Bödding

Die 44-jährige Holtwickerin ist ausgebildete Krankenschwester und übernahm schon früh Leitungsaufgaben, unter anderem in der Akutpflege. Nach einer Familienpause wechselte sie kurzzeitig in einen Pflegedienst, bevor sie fast zehn Jahre als übergeordnete Praxisanleiterin in der Langzeitpflege tätig war. Zum Caritasverband Ahaus-Vreden kam sie erst jetzt: Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten stieß sie auf der Homepage des Caritasverbandes Ahaus-Vreden auf die Stellenausschreibung für die Tagestreff-Leitung, bewarb sich – und erhielt die Zusage. Ganz allein ins kalte Wasser? „Nicht ganz“, antwortet sie. Susanne Vogel vom Caritas-Tagestreff in Heek hatte die Einrichtung in Schöppingen übergangsweise betreut und arbeitete Katja Küper im November und Dezember ein. Auch im Januar unterstützte sie noch an zwei Tagen pro Woche. Inzwischen stemmt Katja Küper die Leitung eigenständig.

Weiterentwicklung

Und wie groß war der Sprung – von der Praxisanleitung für Auszubildende hin zum Tagestreff für Seniorinnen und Senioren? „Überhaupt nicht groß“, winkt sie ab. Schließlich arbeitete sie in der Langzeitpflege immer direkt mit älteren Menschen. Der Wechsel sei daher keine Umstellung gewesen, sondern eher eine Weiterentwicklung. Ihren neuen Arbeitsalltag beschreibt sie so: „Ich komme morgens rein und gucke erst mal, ob im Treff alles in Ordnung ist, ob Hilfe gebraucht wird.“ Dann checkt sie E-Mails, spricht mit den Fahrern, die kurz vor acht eintreffen, und wirft einen Blick auf die Tourenpläne. Krankmeldungen oder kurzfristige Absagen erfordern schnelles Umdenken.

Und danach? Büroarbeit. Viel Büroarbeit. „Meine Arbeit besteht zu 90 Prozent aus Organisation“, sagt sie. Dienstpläne, Verträge, Kundengespräche, Neukundengewinnung – all das füllt ihren Tag. „Ich wundere mich immer, wie schnell so ein Tag rum ist.“ Trotzdem verliert sie das Leben im Haus an der Hauptstraße nicht aus dem Blick. Wenn gesungen, geklatscht oder Gymnastik gemacht wird, ist Konzentration am Computer schwierig. Deshalb strukturiert sie gerade um: Im Obergeschoss entsteht ein zusätzlicher Arbeitsplatz. „Gerade für meine Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort“, erklärt sie. So können sie dann in Ruhe dokumentieren, während unten das pralle Leben tobt.

Der Tagestreff erlebt – wie viele Einrichtungen – wellenförmige Auslastungen. Aktuell beschäftigt Katja Küper vor allem ein Thema: neue Gäste zu gewinnen. „Seitdem wir hier angefangen sind, sind viele in die Langzeitpflege gewechselt“, erklärt sie. Wer ins Altenheim zieht, fehlt im Tagestreff. Neue Besucherinnen und Besucher zu akquirieren, ist nicht einfach. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, insbesondere aus der ambulanten Pflege, setzt sie auf Aufklärung. Bei Beratungsgesprächen sprechen diese gezielt den Tagestreff an. 

Generationenprojekt

Was ihr besonders Freude macht? „Das Team“, sagt sie ohne zu zögern.15 Mitarbeitende – von der Köchin über die Reinigungskraft bis zu den Fahrern – bilden die „Tagestruppe“. „Alle total motiviert. Die haben mich so toll aufgenommen. Ich komme jeden Morgen total gerne hier an.“ Das spürt man auch im Alltag. Dienstag Rummikub und Doppelkopfrunden am Donnerstag - neben festen Bestandteilen wie gemeinsames Essen, Zeitungsrunde, Bewegungstherapie, spielen, singen bleibt Raum für individuelle Interessen. Ein besonderes Highlight startet jetzt: ein Generationenprojekt mit der OGS der benachbarten Grundschule. Einmal im Monat wollen die Kinder mittags herüberkommen und Zeit mit den Seniorinnen und Senioren verbringen. „Die haben schon ganz tolle Ideen“, berichtet Küper. 

Ein wichtiges Anliegen treibt sie um: ein realistisches Bild vom Tagestreff in die Öffentlichkeit zu tragen. Viele ältere Menschen hätten falsche Vorstellungen. Die Umbenennung von Tagespflege in Tagestreff sei ein wichtiger Schritt gewesen. „Wir machen hier wenig Körperpflege“, stellt sie klar. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaft, Unterhaltung und Aktivität.

Und dann ist da noch ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: die Finanzierung. „Es gibt einen eigenen Topf für die teilstationäre Pflege“, erklärt sie. Vielen Angehörigen sei nicht bewusst, dass dieser Betrag von der Pflegeversicherung häufig am Jahresende verfällt, wenn er nicht genutzt wird – und dass er sich nicht für andere Leistungen einsetzen lässt. „Dabei ist das Geld hier gut investiert: Die Gäste bekommen ein frisch zubereitetes Mittagessen, nachmittags Kaffee und Kuchen, vor allem aber Gemeinschaft und Struktur für ihren Alltag“, erläutert Katja Küper. Wer das Angebot nutze, schöpfe nicht nur finanzielle Möglichkeiten aus, sondern gewinne ein Stück Lebensqualität hinzu.