Franziskanerinnen in Südlohn:Nach 128 Jahren: Schwesternkonvent im Henricus-Stift ist Geschichte

Seit 1897 lebten und arbeiteten Schwestern der Franziskanerinnen von Münster-St. Mauritz in Südlohn. Damals wurde das Krankenhaus mit 25 Betten eröffnet – drei Ordensschwestern nahmen ihren Dienst auf und prägten von Beginn an den Alltag im Haus. 1981 wandelte sich das Südlohner Krankenhaus in ein Altenheim. Die Schwestern blieben. Nicht nur als Pflegekräfte, sondern als tragende Säulen der Gemeinschaft. Sie waren zur Stelle, wenn nachts ein Licht anging. Sie saßen an Betten, hielten Hände, begleiteten Sterbende. Sie organisierten Gottesdienste und schufen eine Atmosphäre, die viele bis heute als etwas Besonderes beschreiben. „Das Haus hat sie getragen. Aber die Schwestern haben auch das Haus getragen“, sagt Pfarrer Stefan Scho und bringt damit die enge Verbindung zwischen den Ordensfrauen und dem heutigen Caritas-Seniorenheim Henricus-Stift auf den Punkt.
Der Grund ist nüchtern und doch einschneidend: die Altersstruktur des Ordens. Mehr als drei Viertel der Schwestern sind hochbetagt und leben in ordenseigenen Altenheimen, andere übernehmen feste Aufgaben in ihren Gemeinschaften. Nachwuchs, der nach Südlohn entsendet werden könnte, steht nicht mehr zur Verfügung. Zuletzt lebte nur noch Schwester Ursula im Henricus-Stift. Sie äußerte den Wunsch, nicht dauerhaft allein zu bleiben, sondern in die Ordensgemeinschaft zurückzukehren. Die Ordensleitung entsprach diesem Wunsch.
„Ja, wir wären ja auch gerne hier geblieben. Aber wir werden alle älter. Und dann ist einmal Schluss“, sagt Schwester Ansgara. Heute lebt sie im St.-Franziskus-Haus in Nordwalde. Beim Gottesdienst und beim anschließenden Treffen wurde deutlich, wie lebendig ihre Erinnerungen an Südlohn sind. „Wenn man so viele Bekannte sieht, da denkt man: Mensch, du kannst hier bleiben, du bist sofort wieder drin.“
Die Schwestern hinterlassen Spuren – nicht nur in Chroniken, sondern in Menschen. Pfarrer Scho erinnert daran, wie stark sie auch die Mitarbeitenden geprägt haben: „Sebastian Stödtke ist heute Einrichtungsleiter, Elisabeth Holtkamp Pflegedienstleitung und Michel Schmidt stellvertretender Pflegedienstleiter. Als die drei hier ihre Ausbildung anfingen, waren die Schwestern noch in ihrem Element.“ Sebastian Stödtke ergänzt: „Die Ordensschwestern waren auch in schwierigen Zeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner und die Mitarbeitenden als Zuhörer und Ratgeber da. Diese bewundernswerte Eigenschaft geht in der Geschwindigkeit des heutigen Alltags manchmal etwas verloren.“