Sozialfahrt des Caritasverbandes Ahaus-Vreden für Haupt- und Ehrenamtliche:Nah dran an sozialer Arbeit

Nach einer ausführlichen Besichtigung des St.-Paulus-Doms und einem gemeinsamen Mittagessen stand der eigentliche Schwerpunkt der Sozialfahrt auf dem Programm. Die Gruppe teilte sich in drei kleinere Teams auf, um unterschiedliche soziale Einrichtungen kennenzulernen, die vor allem im Umfeld des Münsteraner Hauptbahnhofs tätig sind.
Eine Gruppe besuchte die Wohnungslosenhilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) Münster. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene Unterstützungsangebote für wohnungslose Frauen. Neben einer kurzfristigen Übernachtungsmöglichkeit gehört dazu auch das Gertrudenhaus. Die Einrichtung bietet Frauen längerfristig ein Dach über dem Kopf und unterstützt sie dabei, Schritt für Schritt in einen geregelten Alltag zurückzufinden – mit eigener Wohnung, eigenständiger Verwaltung ihrer Finanzen und einer festen Tagesstruktur.
Die zweite Gruppe informierte sich über die Wohnungslosenhilfe für Männer, die von der Bischof-Hermann-Dingelstädt-Stiftung organisiert wird. Auch hier wurde deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen sind, mit denen Menschen ohne festen Wohnsitz konfrontiert werden – und wie wichtig verlässliche Unterstützungsangebote für ihren Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben sind.
Besonders unmittelbare Eindrücke sammelte die dritte Gruppe bei der Bahnhofsmission Münster. Direkt im Hauptbahnhof, an den Gleisen 9 und 12, wurden die Gäste aus Ahaus von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Julia und Ilka empfangen. Schnell wurde deutlich: Die Bahnhofsmission ist weit mehr als eine Anlaufstelle für Reisende. Insgesamt engagieren sich dort rund 80 Ehrenamtliche. „Ohne Ehrenamt würde es nicht laufen“, erklärte Ilka. Finanziert wird die Arbeit vor allem durch Spenden, während die Deutsche Bahn die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellt.
Viele Menschen verbinden die Bahnhofsmission noch immer in erster Linie mit Unterstützung beim Reisen. Tatsächlich macht dieser Bereich heute nur etwa 20 Prozent der Arbeit aus. Rund 80 Prozent der Hilfen richten sich an Menschen in sozialen Notlagen, insbesondere an wohnungslose oder von Armut betroffene Personen.
Die Bahnhofsmission Münster ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Drei Schichten mit jeweils vier Stunden sorgen dafür, dass durchgehend Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort sind. Zwischen 60 und 120 Menschen suchen die Einrichtung durchschnittlich jeden Tag auf. Die Aufgaben der Ehrenamtlichen reichen vom Kaffee kochen über die Essensausgabe bis hin zu Gesprächen mit den Gästen.
Die meisten Besucherinnen und Besucher sind zwischen 30 und 60 Jahre alt. Etwa drei Viertel sind Männer, ein Viertel Frauen. Die Arbeit verlangt den Ehrenamtlichen dabei einiges ab. Was sie besonders herausfordert? Julia muss nicht lange überlegen: „Wenn Leute fordern und ,Schneller, schneller‘ sagen. Wir sind kein Hotel.“
Nach einem Tag voller Informationen, Gespräche und Eindrücke trat die Gruppe die Rückreise nach Ahaus an. Die gemeinsame Bilanz fiel eindeutig aus: „Ein interessanter Tag, der betroffen machte und noch lange im Gedächtnis bleiben wird.“