Das frühere Finnah-Gebäude an der Einsteinstraße in Ahaus wird für den Caritasverband Ahaus-Vreden umfassend modernisiert:Vom Firmensitz zum Bildungszentrum


Seit Januar 2026 wird auf der Baustelle gearbeitet. Läuft alles nach Plan, ziehen die Mitarbeitenden im ersten Quartal 2027 ein. Der aufwendige Rückbau ist abgeschlossen, inzwischen laufen die Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallationen. Auf rund 1.600 Quadratmetern entstehen Arbeitsplätze, Schulungsräume und Bereiche für digitale Bildungsangebote.
Errichtet wurde das Gebäude in den 1970er-Jahren als Verwaltungssitz der Firma Finnah, die bis 2020 in Ahaus Verpackungsmaschinen produzierte. Um die Jahrtausendwende wurde der ursprünglich dreigeschossige Bau erweitert und auf vier Etagen aufgestockt. Auf jeder Ebene stehen rund 400 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. „Zusammen ergeben sie etwa 1.600 Quadratmeter, die nach Abschluss der Sanierung völlig neu genutzt werden“, erläutert Alfred Bohmert, Leiter der Bautechnischen Abteilung des Caritasverbandes Ahaus-Vreden.
Schulungs- und Büroräume
Bereits das Souterrain zeigt, dass weit mehr als klassische Büroräume entstehen. Dort ziehen die IT-Abteilung des Caritasverbandes und die Digitalen Angebote des Caritas Bildungswerks ein. Hinzu kommen Büros, Besprechungsräume, Lagerflächen, eine kleine IT-Werkstatt sowie ein Video- und Tonstudio mit Green-Screen-Technik für digitale Schulungen, Online-Seminare und Medienproduktionen. Das Erdgeschoss nutzt ebenfalls das Caritas Bildungswerk. Geplant sind Schulungs- und Büroräume, ein Empfangsbereich sowie ein Café mit Küche. Herzstück wird ein großer Konferenz- und Veranstaltungsraum, der sich mithilfe einer mobilen Trennwand flexibel in zwei Schulungsräume teilen lässt. So können größere Veranstaltungen ebenso stattfinden wie mehrere Seminare gleichzeitig. Im ersten Obergeschoss entstehen die neuen Räume der Eingliederungshilfe des Caritasverbandes. Das zweite Obergeschoss nutzt das Caritas Bildungswerk für die Bereiche Fort- und Weiterbildung sowie Digitale Angebote.
Beim Rundgang durch das Gebäude braucht es noch etwas Vorstellungskraft. Wo künftig gearbeitet, getagt und gelernt wird, prägen freigelegte Betondecken, Stahlträger und offene Leitungen das Bild. Kaum ein Raum erinnert an seinen früheren Zustand. „Man kann sagen, dass das Gebäude komplett bis auf den Rohbau zurückgebaut wurde“, beschreibt Bohmert den Umfang der Arbeiten. Erhalten geblieben seien im Wesentlichen nur die tragenden Stahlbeton-Fertigteilkonstruktionen, alles andere werde erneuert. Ziel sei nicht, das Gebäude lediglich optisch aufzuwerten, sondern es technisch und energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Künftig soll das Haus als Effizienzhaus 40 betrieben werden.
"Spannender" Rückbau
Wie anspruchsvoll eine solche Sanierung sein kann, zeigt sich oft erst während des Rückbaus. „Umbauten sind immer spannend. Vor allem der Rückbau. Man weiß vorher nie genau, was einen tatsächlich erwartet“, sagt Jens Janning vom Ahauser Architekturbüro Weitkamp + Partner, das von der Investorin mit der Projektleitung beauftragt wurde. Zwar existierten Bauunterlagen, doch sie stammten teilweise noch aus den 1970er-Jahren und lagen lediglich als Mikrofilme vor. „Die mussten zunächst hochskaliert werden. Texte waren teilweise kaum noch lesbar. Vieles musste man sich erschließen.“ Erst nach dem Öffnen von Decken, Böden und Wänden habe sich gezeigt, ob die Pläne tatsächlich mit der Realität übereinstimmten. „Dann sieht man plötzlich, ob jede Wand wirklich dort steht, wo sie laut Plan stehen sollte oder ob sie vielleicht breiter oder schmaler ausgeführt wurde.“ Genau diese Unwägbarkeiten machten Sanierungen deutlich anspruchsvoller als Neubauten.
Eine der größten Überraschungen verbarg sich unter den Fußböden. Die Planer gingen davon aus, einen schwimmenden Estrich vorzufinden. Tatsächlich handelte es sich teilweise – zumindest im 2.Obergeschoss – um Verbundestrich, der direkt auf die Betondecke gegossen worden war. „Damit ließ sich der Boden nicht einfach herausbrechen“, berichtet Janning. Stattdessen musste nahezu jeder Quadratmeter in Handarbeit gelöst werden. „Allein dadurch hat sich unser Abbruch um fast zwei Monate verlängert.“ Solche Überraschungen gehörten bei Bestandsgebäuden fast zwangsläufig dazu. Das Gebäude erhält nun eine umfassende energetische Sanierung mit neuer Dämmung von Boden, Außenwänden und Dach.
Vollständige Klimatisierung
Auch von außen verändert sich der Standort deutlich. Vor dem Gebäude entsteht ein Aufzug, der alle Ebenen vom Souterrain bis zum zweiten Obergeschoss verbindet und das Haus erstmals vollständig barrierefrei erschließt. Ergänzt wird er durch ein außenliegendes Fluchttreppenhaus nach heutigen Brandschutzanforderungen. Zudem soll das Gebäude vollständig klimatisiert werden. Ursprünglich war nur eine teilweise Ausstattung vorgesehen. Davon sind die Planer inzwischen abgerückt. „Wenn man später nachrüstet, muss man wieder Decken öffnen, Leitungen verlegen und Mitarbeitende aus ihren Büros holen. Das verursacht erheblichen Aufwand und zusätzliche Kosten“, sagt Janning. Wenn die Bauarbeiten wie geplant abgeschlossen werden, beginnt im ersten Quartal 2027 für das ehemalige Firmengebäude ein neues Kapitel – als Büro- und Schulungszentrum des Caritasverbandes Ahaus-Vreden.