Wie Adelheid Haneberg Menschen mit Behinderung in Bethlehem unterstützt:Von einer Reise zur Herzensmission

Seit 2017 arbeitet Haneberg in der Nachtwache im Hof Schünemann in Gronau, einer besonderen Wohnform der Eingliederungshilfe des Caritasverbandes Ahaus-Vreden. Doch ihr Engagement reicht weit über den beruflichen Alltag hinaus. Der Ursprung ihrer Verbindung zu Israel liegt einige Jahre zurück. Als sie 2014 ihren 50. Geburtstag feierte, begann sie, über die Zukunft nachzudenken.
„Ich bin ein sehr gläubiger Mensch“, erzählt sie. „Und ich habe gedacht: Du liest die Bibel, aber du warst noch nie an den Orten, von denen dort berichtet wird. Da war für mich klar: Eine Israelreise muss her.“ Für diese Reise begann sie zu sparen. Ein Jahr später nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung. Während einer Familienfreizeit in Südtirol lernte sie Burghard Schunkert kennen, einen Deutschen aus Gießen, der seit rund 40 Jahren in Bethlehem lebt. Dort hat er die Einrichtung Lifegate aufgebaut, die Menschen mit Behinderung fördert und begleitet.
„Er hat sein Werk vorgestellt, und das hat mich tief berührt“, erinnert sich Haneberg. Damals versprach sie ihm: „Wenn es irgendwann klappt, komme ich dich besuchen.“ 2017 löste sie dieses Versprechen ein. Über eine Israelreise der evangelischen Kirche Epe besuchte sie erstmals das Heilige Land. Zufällig stand auch ein Besuch bei Lifegate auf dem Programm.
„Ich war fasziniert von allem“, sagt sie rückblickend. Die Reise habe sie nachhaltig geprägt. Besonders die Begegnungen bei Lifegate hätten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Einrichtung in Bethlehem entstand vollständig aus privaten Spenden. Heute umfasst sie einen Förderkindergarten, eine Förderschule, Therapieangebote und verschiedene Ausbildungsstätten. Menschen mit Behinderung erhalten dort Unterstützung, Bildung und berufliche Perspektiven.
„Menschen mit Behinderung und ihre Familien stehen dort oft vor großen Herausforderungen“, erklärt Haneberg. Förderangebote seien deutlich begrenzter als in Deutschland. „Genau deshalb ist die Arbeit von Lifegate so wichtig.“ Aus kleinen Anfängen entwickelte sich über die Jahre ein umfangreiches Projekt. Mittlerweile werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 15 verschiedenen Berufsfeldern ausgebildet. Dazu gehören unter anderem eine Bäckerei, eine Küche sowie Tätigkeiten im Gästehaus der Einrichtung. Dort lernen die Menschen je nach ihren Fähigkeiten handwerkliche, hauswirtschaftliche oder gastronomische Aufgaben.
Besonders beeindruckt hat Haneberg eine Geschichte, die Burghard Schunkert ihr erzählte. Ein junger Mann mit Behinderung kam einst mit kaum vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten zu Lifegate. Durch Förderung, Therapie und Ausbildung gewann er Schritt für Schritt Selbstständigkeit zurück und kann heute einer Arbeit nachgehen. „Solche Geschichten zeigen, was möglich ist, wenn Menschen eine Chance bekommen“, sagt Haneberg.
2018 kehrte sie erstmals für einen längeren Arbeitseinsatz zurück. Gemeinsam mit einer Bekannten aus ihrer Gemeinde unterstützte sie die Arbeit im Gästehaus von Lifegate. Dort begrüßten sie Reisegruppen, halfen bei organisatorischen Aufgaben und sammelten Ideen, wie das ehemalige Kloster als Gästehaus weiterentwickelt werden könnte. Nach ihrer Rückkehr nach Gronau stand für sie fest, dass sie das Projekt dauerhaft unterstützen möchte.
Eine Möglichkeit fand sie in den Produkten, die bei Lifegate hergestellt werden. Die Einrichtung fertigt unter anderem kunstvolle Schnitzereien aus Olivenholz an. Außerdem wird Olivenöl aus regionalen Olivenhainen abgefüllt. „Da habe ich gedacht: Das müsste man doch auch in Deutschland anbieten können“, erzählt Haneberg. Seitdem verkauft sie regelmäßig Olivenöl und Holzarbeiten, unter anderem auf Weihnachtsmärkten. Die Resonanz ist groß. „Mittlerweile fragen die Leute schon von selbst nach dem nächsten Öl“, berichtet sie.
Seit ihrer ersten Reise war Haneberg bereits sieben Mal vor Ort. Darüber hinaus organisierte sie gemeinsam mit ihrer Gemeinde mehrere Gruppenreisen nach Israel. Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort haben sie nachhaltig geprägt. Besonders bewegend waren für sie auch die Besuche ihrer Tochter, die nach dem Abitur ein Jahr in einem israelischen Altenheim arbeitete und dort Holocaust-Überlebende begleitete. „Die Gespräche mit diesen Menschen vergisst man nicht“, erzählt Haneberg. „Ihre Geschichten gehen einem sehr nahe.“
Auch schwierige Zeiten hielten sie nicht von ihren Reisen ab. Im vergangenen Jahr unterstützte sie während eines Aufenthalts in Israel ein Reha-Krankenhaus. Dort half sie Patienten im Alltag und begleitete sie zu verschiedenen Therapien. „Egal welche Herkunft, Religion oder Sprache Menschen haben – wenn man sich begegnet und miteinander spricht, merkt man oft, wie viel man gemeinsam hat“, sagt sie.
Für die Zukunft hat die Gronauerin einen Wunsch: Sie möchte noch mehr Menschen aus ihrer Heimat für die Arbeit von Lifegate gewinnen. „Vielleicht beginnt alles mit einer Begegnungsreise“, sagt sie. „Einfach hinfahren, die Menschen kennenlernen und sehen, was dort aufgebaut wurde.“ Auch auf dem Gronauer Weihnachtsmarkt möchte Haneberg über Lifegate informieren und Spenden für die Einrichtung sammeln. Wer Interesse an einer Reise nach Bethlehem hat und Lifegate vor Ort kennenlernen möchte, kann sich bei ihr melden.
https://www.lifegate-reha.org/