Digitaler Kinderschutzmonat in Ahaus: Vortrag von Caritas-Experte Alexander Kling:Warum Eltern beim Medienkonsum ihrer Kinder genau hinschauen sollten

Sozialpädagoge Alexander Kling von der Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Ahaus beschäftigt sich täglich mit solchen Fragen. Im November bringt er sie beim digitalen Kinderschutzmonat in Ahaus auf die Tagesordnung.
Schulen, Beratungsstellen und weitere Beteiligte bieten stadtweit Veranstaltungen rund um digitale Medien, Cybermobbing und den Schutz von Kindern im Netz an. Kling steuert einen Elternvortrag bei. Unter dem Titel „Kinder und digitale Medien: Chancen nutzen, Risiken verstehen, kompetent begleiten“ spricht er am Donnerstag, 26. November, um 19 Uhr in der Caritas-Beratungsstelle an der Wüllener Straße 80 in Ahaus. Das Angebot richtet sich an Eltern von Kita- und Grundschulkindern.
Online-Plattform
Das erste eigene Smartphone erhalten Kinder im Durchschnitt mit neun Jahren. Doch bis dahin haben viele längst Erfahrungen mit digitalen Medien gesammelt. Eltern wissen dabei nicht immer genau, was auf dem Bildschirm geschieht. Roblox etwa ist eine Online-Plattform mit vielen unterschiedlichen Spielwelten. Kinder können Verstecken spielen, Städte bauen oder in Rollen schlüpfen. Doch sie treffen dort nicht nur Gleichaltrige. Auch Erwachsene sind unterwegs. Manche versuchen gezielt, das Vertrauen junger Nutzer zu gewinnen. Wenn Kinder solche Kontakte nicht einschätzen können, droht sogenanntes Cyber-Grooming, also die gezielte Anbahnung eines Kontakts zu Minderjährigen mit sexuellen Absichten.
Was können Eltern tun? Für Alexander Kling beginnt Kinderschutz nicht bei der nächsten Sperre auf dem Smartphone, sondern beim Interesse am Alltag des Kindes. „Im Idealfall sitze ich dahinter, wenn mein Kind am Spielen ist“, sagt er. Das bedeutet nicht, ständig zu kontrollieren. Es bedeutet, hinzuschauen, Fragen zu stellen und sich erklären zu lassen, was dem Kind an einem Spiel gefällt. Wer sich für die digitale Welt seines Kindes interessiert, schafft Vertrauen. Und ein Kind, das sich ernst genommen fühlt, spricht womöglich eher über unangenehme Erlebnisse.
Tipps vom Experten
Auch das Gerät selbst spielt eine Rolle. Alexander Kling empfiehlt, kleine Kinder nicht einfach mit dem eigenen Smartphone spielen zu lassen. Viele kostenlose Spiele finanzieren sich durch Werbung. Diese orientiert sich häufig am Nutzer des Geräts, also in diesem Fall am Erwachsenen und nicht am Kind. So können Inhalte auftauchen, die für junge Nutzer ungeeignet sind. Ein kindgerecht eingerichtetes Gerät, auf dem nur ausgewählte Spiele verfügbar sind, kann das Risiko verringern.
Alexander Kling rät außerdem davon ab, Medien als Belohnung einzusetzen. „Wer nach erledigten Hausaufgaben oder aufgeräumten Zimmern zehn Minuten am Handy spielen darf, verknüpft das Gerät schnell mit einer Belohnung.“ Ebenso sollten digitale Angebote nicht den Schlaf, Bewegung, gemeinsame Rituale oder persönliche Kontakte ersetzen. Problematisch werde es, wenn der Nachwuchs stundenlang fast ausschließlich in der digitalen Welt unterwegs sei.
Technische Hilfen können Eltern unterstützen. Mit Anwendungen wie Google Family Link lassen sich Nutzungszeiten begrenzen und bestimmte Inhalte sperren. Auch Spielkonsolen bieten entsprechende Einstellungen. Für Kling steht allerdings das Gespräch an erster Stelle. Denn technische Grenzen lassen sich umgehen. Er kennt Fälle, in denen Eltern abends den Router abschalten, während Jugendliche mit dem Smartphone einen eigenen Hotspot einrichten. „Zu strenge Regeln können außerdem dazu führen, dass Kinder auf Geräte bei Freunden ausweichen.“ Eltern sollten sich deshalb mit ihren Kindern über Inhalte austauschen, statt allein auf Verbote zu setzen.
Künstliche Intelligenz
Eine weitere Herausforderung kommt hinzu: künstliche Intelligenz. Mit sogenannten Deepfakes lassen sich Bilder, Videos und Stimmen so verändern, dass Menschen scheinbar Dinge sagen oder tun, die nie passiert sind. Gerade in sozialen Netzwerken verbreiten sich kurze Beiträge schnell. Selbst Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, echte Aufnahmen von Fälschungen zu unterscheiden. „Von Kindern und Jugendlichen kann man das nicht einfach erwarten“, sagt Kling. Künstliche Intelligenz bietet zugleich Chancen. Sie kann beim Lernen helfen, Informationen aufbereiten und das Schreiben erleichtern. Entscheidend ist für Alexander Kling, dass junge Menschen die Ergebnisse nicht ungeprüft übernehmen, sondern lernen, die Möglichkeiten und Grenzen solcher Werkzeuge einzuschätzen.
„Ich möchte gar nicht den Oberlehrer spielen, sondern in den gemeinsamen Diskurs kommen und mich mit Eltern austauschen“, sagt Alexander Kling zum Inhalt seines Vortrags. Eltern seien die Experten für ihre Kinder. Er wolle Anregungen geben, keine fertigen Antworten vorschreiben. Dazu gehört für ihn auch, die Hemmschwelle zur Beratung zu senken. „Niemand muss warten, bis es zu Hause ernsthafte Probleme gibt, bevor er sich Unterstützung holt.“
Anmeldungen für den Vortrag unter Tel. 02561/42910 oder per Mail an eb.ahaus@caritas-ahaus-vreden.de
Hier gibt es mehr Informationen zum digitalen Kinderschutzmonat in Ahaus.